Momente
Als du kamst, brachtest du Angst und Enge. Furcht und Aufregung. Stress und Ohnmacht.
Laut hattest du dich angeschlichen.
Leise hattest du dich durchgeboxt.
Als du wieder gingst, hinterließt du Traurigkeit und Dankbarkeit.
So viel hattest du in dieser Zeit zu geben. So ruhig schienst du zu sein. So freudig und leicht wolltest du erscheinen.
Dein Schein war gut.
Und meiner auch.
So viel Mühe habe ich mir gegeben. So viel Liebe wollte ich transportieren.
Trotz aller Ereignisse, die davor geschahen.
Doch so viel Traurigkeit liegt noch immer darunter. So viel Traurigkeit sucht sich weiterhin ihren Weg.
Die Traurigkeit darüber, dass unsere Dynamik miteinander noch immer dieselbe ist.
Die Traurigkeit darüber, dass wir es nie schafften, diese Dynamik dauerhaft zu durchbrechen.
Die Traurigkeit darüber, dass wir unsere Illusion nie leben konnten und nie miteinander leben werden.
Die Traurigkeit darüber, dass wir nur allein schaffen, was wir so unbedingt zusammen schaffen wollten.
Die Traurigkeit darüber, dass du wieder gingst, ohne einen Blick zurück. Ohne ein liebes Wort. Ohne eine Bemühung in meine Richtung. Leer und doch so schmerzvoll.
Wie so oft.
Und ich bin dankbar.
Dankbar, dass ich es endlich so annehmen kann.
Dankbar, dass es nicht mehr um mich geht.
Dankbar, dass sie nun das in und von dir sehen, bekommen, haben und erleben, was sie all die Jahre schon gebraucht hätten.
Dankbar, dass du nun diese Rolle auf deine Weise einnimmst und ausfüllst, und sie mehr von dir haben als bisher.
Dankbar, dass ich in dieser Traurigkeit erkenne, dass meine Liebe nicht deine Erlaubnis braucht. Und dass ich mir endlich mehr wert bin als dieses Leben noch einmal so führen zu wollen, wie wir es so lange taten.
Dankbar, dass ich dich und mich heute beobachten kann, und mir mit offenen Augen und ehrlichem Herzen eingestehen kann, dass in deinem Leben kein Raum ist für mein Wesen und mein Sein, und dass in meinem Leben zu wenig Grenzen und Mauern existieren, um dich in meinem Raum willkommen zu heißen.
Ich vermisse unsere schönen Zeiten und ich bin traurig über unsere verlorenen Zeiten.
Ich bin dankbar für all die wertvollen Momente – die schönen und die weniger schönen – und ich betrauere all jene Momente, die es nie gab und die, die es nie geben wird.
Für immer traurig dankbar.
Ich habe Anfang des Jahres auch einen Menschen verloren. Deine Worte haben mich sehr berührt, obwohl mein Verlust vielleicht anders gestaltet ist, als deiner.
LG
Sabiene
Liebe Sabiene,
das tut mir sehr leid. Ich wünsche dir ganz viel Kraft, Geduld und Liebe für dich selbst, um diesen Pfad weiterzugehen, dir den Trauerprozess zu erlauben und alles zu fühlen, was gefühlt werden will. Ich weiß, das ist manchmal schrecklich. Und manchmal befreiend, wenn alles da sein durfte, sich Dankbarkeit und Liebe zeigen, und du weißt, es ist schmerzhaft, aber es ist ok, weil es ist, wie es ist.
Ich schicke dir eine liebe Umarmung.